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MKT Ohrdruf bringt beim Corporate Design das Einfache in Form | Dietmar Grosser
Das Sahnehäubchen am Tisch kommt aus Ohrdruf und
per Endlos-Band. Hunderte von Metern lang rollt sich die heiße und
breit gewalzte Kunststoffmasse über glänzende Rollen aus Metall, um
irgendwann - geschnitten und eingefärbt freilich - das zu werden, was
sich europaweit ganz gut an Möbelhersteller verkauft: Kantenband. Es
ist meist fingerbreit, nur auf den ersten Blick banal und dient einem
einzigen Zweck: Spanplatten an den Schnittkanten gut aussehen zu
lassen. Möglichst so, dass kein Unterschied von oben, unten und an der
Seite zu erkennen ist. Ein eher unauffälliges Schmuckstück am Möbel,
das aber dazu gehört und eigentlich nur dann auffällt, wenn es fehlt.
Geschäftsführer Antonius Kroner könnte Stunden allein darüber erzählen,
was alles in den roten, blauen, silbernen oder nur einfach holzfarbenen
Kunststoff-Bändern steckt, um sie schmiegsam, widerstands-fähig und
optisch so attraktiv zu machen, dass die Hersteller von Tischen und
Schränken einfach nichts anderes können, als das Thüringer Produkt zu
kaufen und dann seitlich an ihre Möbel zu kleben.
Den Papierfolie ist out, Kantenband ist in. Und genau das kommt aus
Ohrdruf in rund 3.000 Dekorvarianten und sollte aus Sicht des
Managements möglichst auch in Ohrdruf geordert werden,statt bei den
beiden deutschen Wettbewerbern, die zugleich als Marktführer gelten.
Doch wie das so ist mit David und den Goliaths: Gelegentlich sind die
Großen schwerfälliger, achten mit dem Blick in die weite Ferne des
Marktes kaum auf die Aktivitäten der Kleinen. Und genau das hat MKT -
was soviel wie Moderne Kunststofftechnik heißt - Ohrdruf genutzt, um
eigene Wege zum Kunden zu finden. Clever offensichtlich, flexibel
offenbar und mit Gespür für Sinn und Form obendrein.
Optisch Auffallen heißt die Devise. Auf Messen, Briefbögen,
Visitenkarten, Logos, Kugelschreibern. Werbegeschenken ohnehin. Dazu
Karten zu Weihnachten und zum neuen Jahr. Kurzum überall dort, wo es
auf Corporate Design ankommt. Ein Arbeitsfeld im Marketing, das von
vielen Unternehmen gelegentlich unterschätzt oder als tröge Routine von
meist fleißigen aber wenig kunstsinnigen Werbeagenturen abgewickelt
wird. |
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Wie das manchmal so ist mit dem Erfolg: Den Ohrdrufern half die Nähe zu
Weimar. Genauer zur Bauhaus-Universität. Zufall als Komponenten für
Design-Ideen. Denn dort gab und gibt es einen Dozenten und Designer
Namens Harry Zwergel, der zusammen mit Esther Engelmann und Benedikt
Althoff die gestalterisch eher uninteressante Möbelkante für das
Ohrdrufer Unternehmen in Form brachte. Der Design-Profi startete mit
Studenten seiner Uni - nur für MKT Ohrdruf versteht sich - vor Jahren
ein Projekt, das die eine geheimnisvolle Frage lösen sollte: "Wie kann
man Kantenbänder optisch attraktiv vor den Kunden, auf Messen und in
Anzeigen präsentieren". Und zwar in einer grafischen Lösung, die für
das gesamte Corporate Design des Unternehmens steht.
Und er schaffte es. Der Firmen-Name MKT wird - ob auf Briefköpfen,
Werbebeuteln oder Messe-Ständen - von kurzen farbigen Linien
eingeblockt. Wie bei einer Kante - natürlich. Dar-unter läuft das
farbige Endlosband, was ebenfalls als Referenz an das Produkt zu
verstehen ist. Und die Resonanz verblüffte selbst Antonius Kroner:
"Schon nach den ersten Messen hatten wir Erfolg. Die Kunden kamen -
mehr als eigentlich erwartet.". Für den Unternehmer ist klar: "Wir
werden am Markt besser als zu vor wahr genommen". Und zwar vor allem
deshalb, weil sich MKT anders präsentiert als andere. Frischer,
frecher, farbiger - in trotzdem einheitlichem Design.
Während die Konkurrenz das macht, was man immer schon macht, versuchten
die Ohrdrufer auch bei Anzeigen in Fachzeitschriften optisch aus dem
Rahmen zu fallen. Statt seriöser Produkt-Fotos gab es muntere
Körperporträts und Farben-Spiele, die - oft im Unterbewusstsein -
Assoziationen und positive Botschaften vermitteln. Das Ganze
eingebunden in eine originäre Gestaltungslinie, die in-zwischen wie aus
einem Guss auf Messen, Präsentationen und in Prospekten daher kommt.
Mit hohem Wiedererken-nungswert. Auch ein Grund, dem Haus-Designer die
Treue zu halten. |